Senegal

1Se|ne|gal, der; -[s]:
Fluss in Westafrika.
2Se|ne|gal; -s, (auch:) der; -[s]:
Staat in Westafrika:
der südliche S.

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I
Senegal,
 
 
 
Fläche: 196 722 km2
 
Einwohner: (2000) 10,0 Mio. Einwohner
 
Hauptstadt: Dakar
 
Amtssprache: Französisch
 
 
Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes (c)
 
Zeitzone: 1100 Dakar = 1200 MEZ
 
amtlich französisch République du Sénégal [repy'blik dy sene'gal], Staat in Westafrika, am Atlantischen Ozean, grenzt im Norden und Nordosten an Mauretanien, im Osten an Mali, im Süden an Guinea und Guinea-Bissau, 196 722 km2, (2000) 10,0 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Dakar, Amtssprache Französisch, Verkehrssprache Wolof. Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes (c). Zeitzone: Westeuropäische Zeit (1100 Dakar = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 7. 1. 2001 durch Referendum gebilligten Verfassung ist Senegal eine präsidiale Republik. Die neue Verfassung erlaubt Frauen erstmals, Grundbesitz zu erwerben und zu nutzen und untersagt die Zwangsehe. Staatsoberhaupt, oberster Inhaber der Exekutivgewalt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der auf fünf (bisher sieben) Jahre direkt gewählte Präsident (einmalige Wiederwahl möglich). Er ernennt den Premierminister und und die übrigen Mitglieder des Kabinetts, kann das Parlament auflösen und verfügt über das Recht auf Gesetzesinitiative. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, deren 120 (bisher 140) Abgeordnete für fünf Jahren gewählt werden; je zur Hälfte nach dem Mehrheits- und dem Verhältniswahlsystem (Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr). Die seit 1999 bestehende zweite Kammer (Senat, 60 Mitglieder) als Vertretung der Regionen wurde abgeschafft. Zuständig für die Normenkontrolle ist das 1992 gebildete Verfassungsgericht. 1996 wurden per Gesetz bestimmte zentralstaatliche Kompetenzen (z. B. Gesundheit, Bildung, Kultur, Raumordnung, Ökologie) auf die Regionen übertragen und damit eine Dezentralisierung eingeleitet.
 
Parteien:
 
Im Rahmen des seit 1976 verfassungsrechtlich verankerten Mehrparteiensystems spielen v. a. der liberaldemokratische Parti Démocratique Sénégalais (PDS, gegründet 1974), der sozialdemokratisch orientierte Parti Socialiste (PS, hervorgegangen 1976 aus der Union Progressiste Sénégalaise, UPS), die Alliance des Forces du Progrés (AFP, gegründet 1999), die Union pour le Renouveau Démocratique (URD, gegründet 1998), der Parti de l'Indépendance et du Travail (PIT, gegründet 1981) und die Ligue Démocratique-Mouvement pour le Parti du Travail (LD-MPT, gegründet 1981) eine Rolle.
 
 
Das Wappen zeigt in der roten Hälfte des Schildes einen Löwen, in der gelben einen Affenbrotbaum sowie einen grünen Wellenbalken, der den Senegalstrom symbolisiert. Um den Schild schlingt sich ein Kranz aus silbernen Palmzweigen, die durch ein Band mit dem Wahlspruch »Un peuple, un but, une foi« (»ein Volk, ein Ziel, ein Glaube«) zusammengehalten werden. Unter dem Schild hängt an einem grünen Band das Abzeichen des senegalesischen Nationalordens.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 4. 4., der an die Gründung der Föderation Mali 1959 erinnert.
 
 
Gliederung in zehn Regionen (jeweils verwaltet von einem ernannten Gouverneur und einer gewählten Regionalversammlung), die in 30 Départements und 99 Arrondissements untergliedert sind.
 
 
Das Recht entstammt zum einen den traditionellen, zunehmend islamisch geprägten Bräuchen, zum anderen dem französischen Kolonialrecht. Nach der Unabhängigkeit (1960) sind viele Rechtsbereiche vereinheitlichend neu kodifiziert worden, insbesondere Zivil- und Handelsgesetzbuch (1963-85), Bodenrecht (1964), Strafgesetzbuch (1965), Familiengesetzbuch einschließlich Personen- und Erbrecht (1972). Das Handels- und Wirtschaftsrecht soll zwischen den französischen-sprachigen Ländern harmonisiert werden. - Für Familiensachen sowie kleinere Zivil-, Handels- und Strafsachen sind Départementsgerichte zuständig, im Übrigen Regionsgerichte, diese außerdem allgemein für Verwaltungs- und Steuersachen. Daneben bestehen Arbeits- und Schwurgerichte, darüber ein Oberlandesgericht, an der Spitze Kassationshof für Revisionen, Staatsrat für bestimmte Verwaltungssachen und Verfassungsrat für die Verfassungsprüfung von Gesetzen und Staatsverträgen.
 
 
Die Gesamtstärke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit zwei Jahre; selektiv gehandhabt) beträgt rd. 13 400, die der paramilitärischen Einheiten (u. a. Gendarmerie) etwa 5 000 Mann. Beim Heer, hauptsächlich in sechs Infanteriebataillone und ein gepanzertes Bataillon gegliedert, dienen rd. 12 000, bei Luftwaffe und Marine je etwa 700 Soldaten. Die Ausrüstung umfasst neben etwa 100 leichten Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, einigen Kampfflugzeugen und Patrouillenbooten im Wesentlichen leichte Waffen. Frankreich hat etwa 1 500 Soldaten in Senegal stationiert.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Senegal liegt in der Sudan- und (im Norden und Nordosten) in der Sahelzone. Es umfasst den Großteil des Küstentieflandes an den Flüssen Senegal und Gambia, eine Aufschüttungsebene mariner und terrestrischer Sedimente, die landeinwärts bis 40 m über dem Meeresspiegel ansteigt. Im Südosten (bis 400 m über dem Meeresspiegel) reichen Ausläufer des Tafelgebirgslandes Fouta-Djalon nach Senegal hinein. Die 500 km lange Küste ist flach und zum Teil versumpft, nordöstlich des Kap Verde auch dünenbesetzt, lediglich am Kap Verde ist eine Steilküste ausgebildet (Gesteine des tertiären und quartären Vulkanismus). Der Djoudj-Nationalpark (160 km2, v. a. Vogelschutzgebiet) im Deltagebiet des Senegal und der Niokolo-Koba-Nationalpark (8 500 km2, Elefanten, Büffel, Antilopen u. a. afrikanische Großtiere) an der oberen Casamance wurden von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
 
 
Der Süden hat randtropisches Klima mit einer Regenzeit von April bis November, der Norden Trockenklima mit einer Regenzeit von Ende Juli bis Oktober. Die Jahresniederschlagsmenge sinkt von 1 200 mm im Südwesten auf 300 mm im Norden. Die mittleren Januartemperaturen liegen zwischen 22 ºC im Nordwesten und 24 ºC im Osten, die mittleren Maitemperaturen zwischen 28 ºC an der Küste und 34 ºC im Nordosten. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt an der Küste im Januar 50 %, im August 75 %, im Osten dagegen im Januar 20 %, im August 65 %.
 
 
In der Region Casamance (südlich von Gambia) wächst Feuchtwald, weiter nördlich folgt Feuchtsavanne mit dem Afrikanischen Affenbrotbaum (Nationalsymbol Senegals), anschließend Trockensavanne und im äußersten Norden Dornstrauchsavanne.
 
 
Die größte ethnische Gruppe sind die Wolof (43 %, im Nordwesten); ihre Sprache ist als Verkehrssprache (auch als Unterrichtssprache) bedeutend und wird von 70 % der Bevölkerung gesprochen. Sie gehört wie die der Serer (15 %, im zentralen Westen) und die der Diola (5 %) zur Gruppe der Westatlantischen Klassensprachen. Die Tukulor (9 %) leben neben halbnomadischen Mauren und Soninke am Senegal, nomadische und halbsesshafte Fulbe (14 %) in den Trockengebieten. Unter den etwa 350 000 Ausländern befinden sich v. a. Kapverdier, Libanesen, Syrer, Mauretanier und Franzosen. Am dichtesten besiedelt ist die Halbinsel Kap Verde mit der Hauptstadt und der daran anschließende mittlere W. Im Großraum Dakar (einschließlich Rufisque) leben 23 % der Bevölkerung; die Ostregion ist dünn besiedelt. Der Anteil der städtischen Bevölkerung beträgt 42 % und nimmt ständig zu. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum beträgt (1985-95) 2,8 %. Etwa 200 000 Senegalesen leben im Ausland, die meisten in Frankreich.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Dominierend ist der Islam, in Senegal traditionell stark durch sufitische Bruderschaften (Tidjaniten, Mouriden, Quadiriten) geprägt. Über 90 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime der malikitischen Rechtsschule. Mit Touba befindet sich einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der schwarzafrikanischen Muslime in Senegal. Rd. 4,6 % der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an (Erzbistum Dakar mit fünf Suffraganbistümern), die damit fast alle Christen in Senegal (rd. 4,7 %) umfasst. - Die Zahl der Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen ist durch die islamische Mission im Abnehmen begriffen und beträgt maximal noch 3 % der Bevölkerung Eine weitere religiöse Minderheit bilden die Bahais.
 
 
Neben Französisch ist auch Wolof Unterrichtssprache. Trotz allgemeiner Schulpflicht zwischen dem siebten und dreizehnten Lebensjahr besuchen nur 58 % der Kinder die Schule. 16 % der Primarschulabsolventen treten in die vier- oder sechsjährigen allgemein bildenden Sekundarschulen über. Die Analphabetenquote liegt bei 65,4 %. Senegal besitzt je eine Universität in Dakar (gegründet 1949, Universität seit 1957) und in Saint-Louis (gegründet 1990).
 
 
Trotz verfassungsrechtlich garantierter Freiheit stehen oppositionelle Medien, besonders der politischen Linken und des Islamismus, unter staatlichem Druck. Folgende Tageszeitungen erscheinen: »Le Soleil« (Organ des PS; Auflage rd. 45 000), »Sud au Quotidien« (unabhängig; 30 000), »Wal Fadjiri« (islamisch; 15 000) und »Réveil de l'Afrique Noire« (gegründet 1986). Neben der staatlichen Nachrichtenagentur »Agence de Presse Sénégalaise« (APS, gegründet 1959) befindet sich in Dakar die »Pan-African News Agency« (PANA; gegründet 1979, 1992/93 umstrukturiert), die 38 afrikanischen Staaten mit Nachrichten versorgt. Die staatliche »Société Nationale de Radiodiffusion Télévision Sénégalaise« (RTS) betreibt in Kooperation mit »Radio France Internationale« (RFI) zwei Hörfunksender; 1994 wurde der kommerzielle Sender »Sud FM« gegründet. Fernsehprogramme werden von der privaten Fernsehanstalt »Canal Horizons Sénégal«, an der RTS zu 18,8 % beteiligt ist, sowie über Satellit von TV 5 Afrique (betrieben vom französischen Sender TV 5) verbreitet. Der 1991 gegründete »Haut Conseil de la Radio Télévision« soll für mehr Pluralität in den bislang vom PS beherrschten elektronischen Medien sorgen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die ökonomischen Grundlagen Senegals sind Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus. Gemessen am Bruttosozialprodukt je Einwohner von (1995) 600 US-$ gehört Senegal zu den Ländern mit niedrigem Einkommen. Ein Hauptziel der Wirtschaftspolitik ist die Unabhängigkeit von Nahrungsmittelimporten (1993: 573 000 t, v. a. Getreide).
 
 
Im Agrarsektor (einschließlich Forstwirtschaft und Fischerei) erwirtschaften (1995) 74 % der Erwerbstätigen 20 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Landwirtschaftlich genutzt werden 5,45 Mio. ha, davon sind 2,35 Mio. ha als Ackerland und 3,1 Mio. ha als Dauergrünland ausgewiesen. Durch Dürreperioden wird die landwirtschaftliche Produktion stark beeinträchtigt. Wichtig für den Export sind Erdnuss- (Erntemenge 1994: 606 000 t; weltweit 6. Rang) und Baumwollanbau. An Grundnahrungsmitteln werden v. a. Hirse, Reis, Mais und Gemüse angebaut. Viehhaltung wird v. a. von Nomaden im Norden des Landes betrieben (Viehbestände 1995: 2,9 Mio. Rinder, 4,8 Mio. Schafe, 3,3 Mio. Ziegen).
 
 
Als Wald werden (1991) 10,5 Mio. ha ausgewiesen; 86 % des Holzeinschlags (1994: 5 Mio. m3) dienen als Brennholz.
 
 
Die Gewässer vor der senegalesischen Küste sind sehr fischreich. Seit Mitte der 80er-Jahre sind Fisch und Fischprodukte die wichtigsten Exportgüter. Rd. 55 % der Fangmenge von (1994) 388 000 t sind Sardinen. Jedoch reduzieren ausländische Fischereiflotten die Fischgründe Senegals erheblich.
 
 
Abgebaut werden Vorkommen an Calciumphosphat (seit 1960) und Aluminiumphosphat (1994: 1,7 Mio. t Phosphate), ferner werden Meersalz und Bleicherde gewonnen. Im äußersten Südosten sind große Eisenerzvorkommen nachgewiesen, im äußersten Osten Kupfererzvorkommen, im Offshorebereich der Region Casamance Erdöl.
 
 
Der Anteil des industriellen Sektors (einschließlich Bergbau, Energiewirtschaft und Baugewerbe) am BIP liegt bei 18 %. Industrielle Zentren sind die Hauptstadt Dakar und das 60 km östlich gelegene Thiès. Die wichtigsten Industriezweige sind Nahrungsmittelindustrie (Fischverarbeitung, Ölmühlen zur Weiterverarbeitung von Erdnüssen), Textilindustrie (einschließlich Baumwollentkernung), Metallverarbeitung und chemische Industrie. In Dakar wird importiertes Erdöl verarbeitet.
 
 
Landschaftlich reizvolle Küsten mit schönen Stränden, fünf Nationalparks und andere Sehenswürdigkeiten zogen 1995 über 387 000 ausländische Gäste nach Senegal, davon 50 % aus Frankreich.
 
 
Die Außenhandelsbilanz ist seit 1970 negativ (Einfuhrwert 1995: 704 Mio. US-$, Ausfuhrwert: 340 Mio. US-$). Exportiert werden v. a. Fisch und Fischprodukte (1994: 26 % der Gesamtausfuhr), Erdnüsse und Erdnussprodukte (16 %), chemische Erzeugnisse, Phosphate und Erdölprodukte. Haupthandelspartner sind die frühere Kolonialmacht Frankreich (30 % des Außenhandelsvolumens), Italien und Nigeria. Der Schuldendienst für die (1995) 3,8 Mrd. US-$ Auslandsschulden beansprucht 18,7 % der Exporterlöse.
 
Verkehr:
 
Senegal ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Afrikas. Zu den Nachbarstaaten bestehen gute Straßen- und Flugverbindungen. Hauptachsen des (1993) 1 225 km langen Eisenbahnnetzes sind die von Süden nach Norden verlaufende Linie Dakar-Saint-Louis und die West-Ost-Verbindung Dakar-Kidira, die nach Bamako (Mali) und nach Niger weiterführt. Hauptverkehrsträger ist die Straße, ein Drittel des (1995) 14 580 km langen Straßennetzes, dessen Knotenpunkt Dakar bildet, ist asphaltiert; der dünn besiedelte Nordosten ist nur wenig erschlossen. Die Flüsse Senegal, Saloum und Casamance werden zum Teil als Binnenwasserstraßen genutzt. Dakar hat nach Abidjan (Elfenbeinküste) den zweitgrößten Hafen Westafrikas (Güterumschlag 1994: 6 Mio. t). Fast der gesamte Außenhandel Senegals und Mauretaniens wird hier abgewickelt. Der internationale Flughafen Dakar-Yoff ist eine Drehscheibe des Luftverkehrs zwischen Europa und Südamerika sowie zwischen Afrika und Nordamerika. Die nationale Fluggesellschaft Air Sénégal fliegt zahlreiche inländische Orte an. Senegal ist an der Luftverkehrsgesellschaft Air Afrique beteiligt.
 
 
Seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt, stand das Gebiet des heutigen Senegal seit dem 9. Jahrhundert v. a. im Einflussbereich der Tukulor, Wolof und Fulbe sowie der Reiche Gana und Mali. An der wahrscheinlich schon im Altertum von phönikischen Seefahrern besuchten Mündung des Senegal setzten sich ab 1446 Portugiesen fest, im 16. Jahrhundert gefolgt von Niederländern, an die die portugiesischen Besitzungen verloren gingen. Seit dem 17. Jahrhundert ließen sich Franzosen in diesem Gebiet nieder (1659 Gründung von Saint-Louis, später Eroberung von Rufisque und der Insel Gorée). Bis 1854 hatten sie ihren Einfluss so weit gestärkt, dass sie die Kolonie Senegal ausrufen konnten. Unter Gouverneur L. L. C. Faidherbe dehnte sich bis 1865 die französische Herrschaft flussaufwärts aus; wirtschaftlicher Schwerpunkt wurde das 1857 gegründete Dakar. 1879-90 war die Eroberung Senegals in seinen heutigen Grenzen vollendet, 1895 wurde die Kolonie Senegal Teil von Französisch-Westafrika. 1848-51 und ab 1871 entsandte die Kolonie einen Abgeordneten in die französische Nationalversammlung; 1904 erhielt sie eine eigene Verwaltung; 1920 wurde ein Kolonialrat mit einigen legislativen Befugnissen eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kolonialverwaltung bis 1943 gegenüber der Vichy-Regierung loyal. 1946 bekam Senegal den Status eines französischen Überseeterritoriums; 1957 gewährte Frankreich die innere Autonomie. 1958 wurde Senegal autonome Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft. 1959 verband sich Senegal mit Französisch-Sudan zur Föderation Mali, die am 20. 6. 1960 die Unabhängigkeit erhielt, jedoch am 20. 8. 1960 auseinander brach. Am 5. 9. 1960 wurde Senegal eine unabhängige Republik unter Präsident L. S. Senghor.
 
Führende politische Kraft in Senegal war seit 1958 die »Union Progressiste Sénégalaise« (UPS). Programmatische Spannungen zwischen Staatspräsident Senghor, zugleich Generalsekretär der UPS, und Premierminister Mamadou Dia (* 1910) erreichten im Dezember 1962 einen Höhepunkt. Während Senghor unter dem Leitgedanken eines »demokratischen afrikanischen Sozialismus« Traditionen der afrikanischen Kultur und Geschichte mit einem modernen Gesellschaftskonzept verbinden wollte, hatte sich Dia stark sozialistischen Positionen nach dem Vorbild der kommunistischen Staaten genähert. Nach einem Staatsstreichversuch wurde Dia abgesetzt und verhaftet (1974 aus der Haft entlassen). Senghor, 1962-70 auch Premierminister, wandelte Senegal 1966 auf der Basis der UPS in einen Einparteienstaat um, in dem jedoch bürgerliche Freiheiten in Ansätzen erhalten blieben. Zeichen für eine allmähliche Rückkehr zum demokratischen Pluralismus war die Zulassung weiterer Parteien seit 1974, so des »Parti Démocratique Sénégalais« (PDS) unter Generalsekretär Aboulaye Wade (* 1926). 1976 benannte sich die UPS in »Parti Socialiste« (PS) um. Außenpolitisch lehnte sich Senegal unter Senghor eng an Frankreich an.
 
Nach viermaliger Wiederwahl (1963, 1968, 1973, 1978) trat Senghor 1980 als Staatspräsident zurück; sein Nachfolger wurde der ehemalige Premierminister Abdou Diouf. Als Staatspräsident (1983, 1988 und 1993 wieder gewählt), 1983-91 zugleich als Premierminister, suchte Diouf mit der ungehinderten Zulassung von Parteien, einem Dialog mit oppositionellen Kräften und der Reform des Genossenschaftswesens eine neue innenpolitische Entwicklung einzuleiten. Außenpolitisch bemühte er sich um verbesserte Beziehungen zu kommunistischen Staaten Afrikas (u. a. Angola, Äthiopien). Nachdem senegalesische Truppen 1981 einen Putschversuch in Gambia auf Bitten des gambischen Staatspräsidenten Dawda Kairaba Jawara (* 1924) niedergeschlagen hatten, bildeten Senegal und Gambia 1982 die Konföderation Senegambia, die jedoch 1989 einvernehmlich aufgelöst wurde. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und sozialer Spannungen kam es 1989 im Grenzbereich von Senegal und Mauretanien zu Pogromen, in deren Verlauf Schwarzafrikaner aus Mauretanien und Mauren aus Senegal vertrieben wurden. In dem seit Beginn der 1980er-Jahre latent andauernden, auch ethnisch fundierten Konflikt um die Unabhängigkeit der Südprovinz Casamance kam es seit 1990 wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und der Rebellenbewegung MFDC (Mouvement des Forces Démocratiques de Casamance). Trotz mehrerer Waffenstillstände konnte der Konflikt noch nicht geregelt werden. Mit dem Sieg von Wade (PDS) bei den Präsidentschaftswahlen im Februar/März 2000 ging die 40jährige Herrschft der Sozialisten zu Ende; gleichzeitig wurde erstmals unter Ministerpräsident Moustapha Niasse eine Regierungskoalition von sieben Parteien gebildet.
 
 
H. Löser: Wanderarbeit u. soziale Mobilisierung. Das Beispiel des S. (1979);
 
Atlas du Sénégal, bearb. v. P. Pélissier u. a. (Paris 1980);
 C. Coulon: Le marabout et le prince (ebd. 1981);
 M. Weicker: Die Beziehungen zw. Nomaden u. Bauern im senegales. Sahel (1982);
 K. Ziemer: Demokratisierung in Westafrika? (1984);
 F. Fatton jr.: The making of a liberal democracy (London 1987);
 F. Zuccarelli: La vie politique sénégalaise 1789-1940 (Paris 1987);
 F. Zuccarelli: La vie politique sénégalaise 1940-1988 (ebd. 1988);
 P. Frankenberg u. D. Anhuf: Zeitl. Vegetations- u. Klimawandel im westl. S. (1989);
 T. Krings: Sahel. S., Mauretanien, Mali, Niger (51990);
 R. Seesemann: Ahmadu Bamba u. die Entstehung der Muridiya (1993);
 A. Wodtcke: S., Gambia (1993);
 A. F. Clark u. L. C. Phillips: Historical dictionary of S. (Metuchen, N. J., 21994);
 B. Wiese: S. Gambia. Länder der Sahel-Sudan-Zone (1995);
 A. Adams u. J. So: A claim to land by the river. A household in S. 1720-1994 (Oxford 1996).
 
II
Senegal
 
der, französisch Sénégal [sene'gal], Fluss in Westafrika, einschließlich des linken Quellflusses Bafing 1 430 km lang. Dieser vereinigt sich mit dem Bakoye (beide entspringen im Fouta-Djalon in Guinea) bei Bafoulabé in Mali. Der Senegal, von da ab 1 050 km lang, bildet nach der Einmündung des Falémé die Grenze zwischen Mauretanien und Senegal und mündet (ab Dagana, 260 km flussaufwärts, mehrere Arme bildend) bei Saint-Louis in den Atlantik. Der Senegal ist ab Bakel ein Tieflandfluss, der bereits bei Kayes (925 km flussaufwärts) nur 38 m über dem Meeresspiegel fließt, die Gezeiten sind deshalb 440 km landeinwärts bemerkbar. Schiffbar ist der Senegal ab Kayes nur bei Hochwasser (August-Oktober), ab Matam (625 km flussaufwärts) von Juli bis Dezember, ab Podor (270 km flussaufwärts) ganzjährig. Sein Becken ist ein wichtiges Landwirtschaftsgebiet. Zur wirtschaftlichen Entwicklung des Senegalgebiets haben Senegal, Mauretanien und Mali die OMVS (Organisation pour la Mise en Valeur du Fleuve Sénégal; Sitz: Dakar) gegründet (Guinea hat Beobachterstatus). Zwei Staudämme sind inzwischen fertig gestellt: Der Diamadamm 30 km vor der Mündung verhindert das Eindringen des Meerwassers ins Delta. Der 68 m hohe Staudamm (Kraftwerk mit 60-70 MW im Bau) im Bafing bei Manantali (Mali) soll der Wasserregulierung zur ganzjährigen Schiffbarkeit des Senegal bis Kayes und der Energiegewinnung dienen sowie die Bewässerung von 375 000 ha Land ermöglichen. Im Deltagebiet liegt der Djoudj-Nationalpark (Vogelschutzgebiet; UNESCO-Weltnaturerbe).
 
 
W. Reichhold: Der S.-Strom, Lebensader dreier Nationen (1978).
 

* * *

1Se|ne|gal, der; -[s]: Fluss in Westafrika.
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2Se|ne|gal; -s, (auch:) der; -[s]: Staat in Westafrika: der südliche S.; in ganz S.

Universal-Lexikon. 2012.

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